Ohne rote Karte wird es weitere Fouls geben

Ohne rote Karte wird es weitere Fouls geben

Der Deutsche Bundestag hat mit übergroßer Mehrheit der Verlängerung der Griechenlandhilfe zugestimmt; die Fraktion “Die Linke” war zum ersten Mal mit dabei – aus Gründen der Solidarität mit der Griechischen Linke. Lediglich 29 Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion und 3 Mitglieder der Fraktion “Die Linke” hatten den Mut, gegen die Verlängerung zu stimmen. Wahrscheinlich hätten sogar mehr Abgeordnete aus der CDU/CSU-Fraktion die Verlängerung abgelehnt, wenn sie nicht den Zorn der Kanzlerin gefürchtet hätten. Alle Abgeordneten werden gewußt haben, dass sie nicht Griechenland retten, sondern bloß dessen Konkurs verschleppen – das ist im privatwirtschaftlichen Bereich eine Straftat, die mit Geldstrafe oder einem Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren geahndet wird; sogar Fahrlässigkeit ist strafbar.

Wenn man die Haltung der deutschen Bundesregierung seit dem Wahlsieg der linken Syriza-Bewegung verfolgt, so reicht sie von unverhüllter Drohung – nicht mit uns – bis hin zu zähneknirschender Zustimmung. Dabei kommt einem die deutsche Bundesregierung wie ein widerwilliger Tanzbär vor, der am Nasenring durch die Arena geführt und damit zugleich vorgeführt wird.

Bemerkenswert ist auch, dass der Sprecher von Bundesfinanzminister Schäuble die Unterstellung des griechischen Finanzministers, die konservativen Regierungen in Spanien und Portugal hätten die Verlängerung der Athen-Hilfen zu torpedieren versucht, als “Foulspiel” kritisiert. In einem Fussballspiel gibt es dafür eine gelbe Karte. Der Sünder weiß, beim nächsten Foulspiel wird es ernst. Dann gibt es gelb-rot, und der Spieler muss den Platz verlassen. Wenn es aber keine rote Karte gibt, nützen alle gelben Karten nichts. Das Foul-Spiel geht weiter – nicht weil die griechische Regierung einen moralischen Defekt hätte, sondern weil die Spielregeln einer funktionierenden Währungsunion außer Kraft gesetzt worden sind.

Die Bundesregierung gibt zu erkennen, dass es beim nächsten Mal keine Nachsicht geben werde. Wer glaubt daran? Schäuble wird sich hüten, Griechenland den Stuhl vor die Tür zu setzen; dann würde jedem schlagartig klar, dass Griechenland seit dem Frühjahr 2010 bankrott war und seit diesem Zeitpunkt gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen wurde. Doch werden nicht diejenigen belangt, die sich der Konkursverschleppung schuldig gemacht haben. Wir Steuerzahler müssen dafür gerade stehen.

Share this post